Wirtschaftsmediation - Bekenntnis zur Lösung

Die erste Hälfte des Jahres 2018 war voller interessanter Ereignisse und so nutze ich die Zeit, einmal über das Thema Wirtschaftsmediation zu reflektieren. Nach wie vor ist das Thema für viele schwer zugänglich.  Viele Diskussionen, dich ich dieses Jahr geführt habe, drehten sich um Konflikte, teilweise sogar schon recht massive Konflikte am Arbeitsplatz oder aber in der Familie. Wenn ich dann insbesondere bei den arbeitsplatzbezogenen Fällen nachfragte, ob die Beteiligten schon einmal über die Durchführung einer Mediation nachgedacht haben, schaue ich in zunächst verdutzte Gesichter bis dann 

schnell und sehr eindeutig die Aussage "mit dem kann man doch sowieso nicht reden" fällt. Wer sich ein wenig mit Mediation im Allgemeinen und mit Wirtschaftsmediation im Speziellen auseinander gesetzt hat, der ahnt hier sicherlich, dass die Beteiligten schon so tief im Konflikt stehen und den Glaslschen Tunnelblick haben, dass freiwillig eine solche Option gar nicht in Betracht gezogen wird. Das ist in mancher Hinsicht fatal, denn die verfahrene Situation wird dadurch meist nicht besser, sondern im Gegenteil für viele noch schlimmer.

Ein Beispiel: In der Nachbarschaft hat ein junges Paar gebaut. Leider gab es Mängel bei der Ausführung der Kellerwanne und der Keller wurde feucht. Das Debakel begann. Auf Beanstandung kam Zurückweisung, auf Zurückweisung folgten die ersten anwaltlichen Schriftsätze. Was ist seitdem passiert? Nicht viel. Das Paar wohnt in einem nicht fertig gestellten Haus mit einer Baustelle darum herum, seit mehr als 2 Jahren. Es ist zwar hier kein innerbetrieblicher Fall und doch fällt hier derselbe Satz: "Mit denen kann man nicht mehr reden".

 

Als Außenstehende erkennen wir schnell, dass andere Wege zielführender sind. Wieso können wir das nicht, wenn wir schon im Konflikt stecken und wie können wir dem vorbeugen?

Unser Gehirn stellt uns an dieser Stelle eine Falle. Es fällt in die steinzeitlichen Funktionen zurück: Angriff, Flucht oder Tot stellen und verhindert damit einen klaren Blick auf die Situation. Dazu kommt, dass der Mensch im Allgemeinen eine Scheu vor Konfrontation hat und sich somit im ersten Impuls nicht gern mit seinem Kontrahenten an einen Tisch setzen wird. 

Doch alle, die einen Konflikt mittels einer Mediation haben beilegen können, wissen, dass die gefundenen Lösungen zu hoher Zufriedenheit führen, vor allem weil sie selbstbestimmt waren. Die Mediation erlaubt, dass wir unsere Lösung selbst in der Hand haben und damit auch keine faulen Kompromisse eingegangen werden müssen.

Noch ein Beispiel: Zwei Mitarbeiter streiten sich, schon seit Jahren. Inzwischen ist es so weit, dass viele andere Kollegen  von diesem Konflikt mit betroffen sind. Die Energie des Teams konzentriert sich auf Schläge und Gegenschläge und beide Mitarbeiter stehen kurz davor zu kündigen, um dem toxischen Arbeitsumfeld endlich zu entgehen. Doch die Führungskraft hat einen anderen Plan. Sie schätzt die Arbeit beider und weiß, welche Folgen eine bzw. beide Kündigungen mit sich brächten. Sie legt beiden eine Mediation nahe. Sie willigen ein, nicht zuletzt weil sie wissen, dass es ohne Mediation eng wird und mit dem Weggang (freiwillig oder nicht) weitere große Veränderungen und Unsicherheiten einher gehen. Die Mediation ist erfolgreich. Beide haben anfangs den Eindruck, dass die Situation niemals zu lösen ist (vor allem weil das Gegenüber ein Monster ist) doch durch das klare Herausarbeiten der persönlichen Bedürfnisse und die Erkenntnis, dass die Dinge nicht so liegen wie sie scheinen, öffnet beiden die Augen und ermöglicht gegenseitiges Verständnis. Damit war die Basis gelegt für die gemeinsame Erarbeitung einer Lösung, die beiden zusagt. Es war kein Kompromiss, sondern eine echte Lösung für das gemeinsame Thema.

 

Solche Beispiele verdeutlichen, welche Chancen sich generieren lassen, wenn man sich auf neue Wege einlässt. Die Wirtschaftsmediation ist nicht einfach nur eine Methode, sie ist eine Dienstleistung zur selbstbestimmten Problemlösung. Sie kann flexibel und agil eingesetzt werden und mit Hilfe kreativer Methoden führt sie nicht nur zur Wiederherstellung der Beziehungsbrücke, sondern auch zu nachhaltigen und kreativen Lösungen. In einer Welt der Transformation (politisch wie wirtschaftlich) und des demographischen Wandels wird diese Form des Umgangs mit Konflikten im Unternehmen den Unterschied zwischen erfolgreichen und erfolglosen Unternehmen darstellen. Mit der klaren Haltung zum respektvollen Umgang miteinander, zur offenen Aussprache und zum vertrauensvollen Umgang mit Ressourcen (Mitarbeiter wie auch Kapital und Zeit) heben Sie sich ab und demonstrieren klare Handlungsgrundsätze, Vertrauen und Rückhalt gleichermaßen. Das Betriebsklima erfährt positiven Einfluss, die Mitarbeiter sind motiviert und können trotz Konflikten schnell zur Produktivität zurück finden.

 

Ob bei einem Streit zwischen Mitarbeitern, Auseinandersetzungen zwischen Mitarbeiter und Führungskraft, Konflikten zwischen Führungskräften oder beim Umgang mit Low-Performern, gehen Sie einen neuen Weg und bestimmen Sie Ihre Lösung. Getreu dem Motto "Move fast and break things" testen Sie es selbst.

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